Wie Eltern auch ein Paar bleiben

Ein schwieriges Thema. Als Eltern haben wir alle viel an der Backe und sind in erster Linie Eltern. Wie aber bleiben wir auch ein Paar? Ich habe eine Expertin gefragt. 

 

Es ist ja so, dass man im Grunde schon WÜSSTE, was man tun KÖNNTE. Aber da kommt einem ständig der Alltag dazwischen. Und man verliert sich.

 

 

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Paar bleiben. Das klingt so einfach. Schliesslich hat man sich ja gegenseitig ausgesucht. Und man wohnt in der Regel zusammen. Aber es passiert so viel in einem Elternleben, das ablenkt. Ständig. Ohne Pause. Wenn die Kinder abends nicht schlafen wollen und ständig wieder vor dem Sofa auftauchen, weil ein Finger weh tut, die Wasserflasche leer ist oder ein Pony unter dem Bett hockt.

Wenn sich die Kleinen am Tisch mit Karottenscheiben bewerfen und Monologe halten wollen, und man beim Wäsche einordnen zwischen den sauberen Pullis und Röckchen graue, müffelnde Kindersöckchen findet, während man gefühlte 369 Waschladungen pro Tag durchlässt.

Wenn man sich ständig vorsehen muss, dass man auf keine Spielzeugautos, Legosteinchen und Glasblüemli-Spängeli tritt. Gleichzeitig erfreut man sich an den nackten Kinderfüsschen unter der Bettdecke, die irgendwann mitten in der Nacht den Weg ins Elternbett finden, an liebevollen Umarmungen von dünnen Kinderärmchen und den vielen süssen Geschichten, die die Kleinen aufgeregt erzählen, von ihren Gspänli, von der KiTa, vom Spielplatz, denen man entzückt lauscht.

 

Die Romantik meldet sich Stück für Stück ab. Der Strudel geht am nächsten Tag weiter. Und müde ist man auch.

 

 

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Die Beziehung gerät in den Hintergrund. Das passiert wohl den meisten. Nur sollte man die Beziehung ab und an auch wieder aktiv in den Vordergrund stellen. Nur weil man sich für Kinder entschieden hat, heisst das nicht, dass man auf alles andere verzichten muss.

Klar, man nimmt sich vielleicht vor, zweimal im Monat gemeinsam auszugehen oder einmal in der Woche bei einem Glas Wein ein intensives Gespräch zu führen. Aber damit die Beziehung eine Beziehung bleibt, muss man etwas tiefer gehen. Bei der Basis beginnen.

 

Wie erhält man als Paar die Magie? Wie bleibt man verbunden? Wie bewahrt man sich dennoch seine Individualität und Freiheit?

Das Geheimnis ist, laut Karin Hofstetter, Expertin für Mentales Beziehungscoaching, mentales Training. Damit meint sie die bewusste Einstellung seinem Partner gegenüber. Dies sei die Basis für eine gute Beziehung.

 

Sie sagt dazu folgendes:

 

 

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Paarbeziehung

Beziehungen jeglicher Art, aber insbesondere Liebesbeziehungen, sind ein sehr sensibles Gefüge. Der Partner/die Partnerin reagiert stark und sofort auf die Gedankeneinstellung, die mentale Haltung, die unsere Ausstrahlung ausmacht.

Die Menschen wünschen sich eine Liebesbeziehung und Intimität. Wir wissen, dass eine harmonische Paarbeziehung unglaubliche Energien freisetzt. Wir bringen auch zurecht Freiheit, Individualität und Verbundenheit in Zusammenhang mit der Paarbeziehung. Jedoch belasten Hoffnung, Erwartung und Sehnsucht die Beziehung.

Jede Paarbeziehung braucht eine gesunde Basis, damit sie auch den Widrigkeiten des Alltags standhält. Bewusstsein, Ruhe und Empathie.

Je grösser unsere Fähigkeit ist, harmonische Beziehungen zu leben, desto besser ist die Beziehung zu uns selbst.

 

 

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Mentaltraining

Das Mentaltraining ist ein hervorragendes Instrument um Fokus, Leistung und Konzentration zu fördern. Nutzen wir also diese gradlinige und intelligente Form für die Arbeit an der Beziehung zu unserem/unserer Liebsten.

Das Intimste und Wertvollste, das wir einem Menschen schenken können, sind unsere empathischen Gedanken. Diese Gedanken regeln alles, was die Beziehung betrifft.

Stimmen die Gedanken, stimmt die Beziehung.

Die Pflege einer Beziehung beginnt bei den Gedanken, bei der inneren Haltung zum Partner/zur Partnerin.

Wie ist diese zurzeit? Was für eine Haltung haben wir gegenüber unserem Partner? Und kann es sein, dass sich diese Haltung in unserem Verhalten und letztlich im Zusammenspiel mit dem Partner spiegelt?

 

 

Mentaltraining in der Paarbeziehung

Wird eine Paarbeziehung zu einer Familie, teilt sich ganz natürlich der Gedankenfokus auf und weniger Gedankenenergie steht für die Zweierbeziehung zur Verfügung. In einem gewissen Sinne kann man von Vernachlässigung sprechen.

Wünschen wir eine Stärkung/Verbesserung der Liebesbeziehung, können wir folgendermassen vorgehen: Wir sollten zuerst unsere Gedanken dem Partner/der Partnerin gegenüber prüfen.

  • Was denke ich über meinen Mann, meine Frau?
  • Welche Haltung nehme ich ihm/ihr gegenüber ein?
  • Stimmt meine Haltung mit meinen Vorstellungen von einer Beziehung überein?
  • Sind meine Gedanken empathisch?

 

Unsere mentalen Grundbedürfnisse sind Freiheit, Individualität und Verbundenheit. Sind diese Umstände gegeben, dann ist dies eine gesunde und harmonische Beziehung.

 

Haben sich leider andere Umstände eingeschlichen (was im Normalfall passiert), können wir tatsächlich etwas dagegen tun.

 

 

Das Training

Bringen wir unseren Gedankenfokus mehrmals täglich auf die Grundsehnsüchte im Zusammenhang mit dem Partner/der Partnerin. Also Freiheit, Individualität und harmonische Beziehung.

Das Mentaltraining verläuft dann folgendermassen: Wir denken ganz bewusst an unseren Partner/Partnerin und bringen die nachfolgenden Begriffe in Verbindung mit unserem Mann oder unserer Frau.

Wenn möglich jeden Tag ca. 4 bis 6 pro Tag, jeweils ein paar Sekunden lang.

  1. Verbundenheit
  2. Individualität
  3. Freiheit

 

Was lösen diese Begriffe in Zusammenhang mit unseren Partnern aus? Wie sehen unsere wohlwollenden, gutgesinnten Gedanken aus?

 

 

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Ausbauen lassen sich die obgenannten Begriffe mental mit:

  1. Grosszügigkeit
  2. Empathie

 

Auch diese Begriffe bringen wir in Verbindung mit unserem Partner. Und natürlich – wenn immer möglich – wohlwollend. Sollten diese Begriffe alle nur Unbehagen auslösen, haben wir wohl ernstere Probleme als wir dachten.

 

Zusätzlich und praktisch anwendbar ist das Trainieren der 5 Sinne. Ganz generell. Im Alltag. Indem wir im Moment sind, achtsam, nicht 100 Sachen gleichzeitig tun oder in Gedanken stets woanders sind. Sondern dass wir den Partner bewusst wahrnehmen und UNS FÜR IHN INTERESSIEREN. So wie früher, als wir noch gedatet haben, als man sich noch richtig Mühe gab. Das Sich-Mühe-Geben darf nie aufhören.

  1. Bewusstes Ansehen
  2. Bewusstes Zuhören
  3. Bewusstes Berühren
  4. Bewusstes Riechen
  5. Bewusstes Schmecken

 

Ist die Basis einer Beziehung solide, dann werden gemeinsame Paar-Aktivitäten auch wieder etwas Besonderes.

Ein Wellnessweekend, der Besuch in der Oper, die Begleitung zu einem Fussballspiel, Das Anfeuern am Marathon, ein romantisches Dinner, kleine Geschenke, gemeinsam Freunde treffen …

 

 

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Es lohnt sich das einfach mal ausprobieren. Achtsamer sein und den Partner bewusst wahrnehmen. Seine Gedanken dem Partner gegenüber bewusst wahrnehmen. Das Gute wieder entdecken. Es sich bewusst machen.

Es kann dabei passieren, und das ist das Schöne daran, dass sich das persönliche Befinden und der persönliche Umgang mit dem Partner/der Partnerin sowie die Beziehung selbst verändern.

 

 

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Durch ein solches bewusstes Training verändert sich auch die Beziehung zu sich selbst.

Man stärkt damit sein Selbstbewusstsein, die Selbstachtung, Selbstsicherheit, das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen gezielt.

 

 

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Karin Hofstetter ist Expertin für mentales Beziehungscoaching. Ihre Praxis befindet sich mitten in der Zürcher Altstadt. Mehr Informationen über Sie und Ihre Arbeit gibts auf Ihrer Website karin-hofstetter.ch.

 

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