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Das Kranzbach: Ein Hotel zum Bleiben

  • Nadja Zimmermann
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In manchen Hotels möchte man möglichst viel unternehmen und in anderen setzt man sich in eine Ecke am Fenster und denkt: eigentlich könnte ich auch einfach hierbleiben. Im Kranzbach hatte ich so eine Ecke.

Sie war praktischerweise in meinem Zimmer, direkt am Fenster, mit Blick ins Grüne. Nichts Spektakuläres eigentlich, aber eine sehr gemütliche Sitzecke. Ich sass dort morgens, zwischendurch und abends. Ich sass dort oft. Und vielleicht ist genau dieses Wohlfühlgefühl ein gutes Zeichen für ein Hotel. Aber von vorn.

Mitten im Knutschgrün

Ich reiste wieder einmal mit meiner lieben Hey Pretty-Steffi. Wir sind ein eingespieltes Team. Perfekt aufeinander abgestimmte Work Wives.

Schon die Anfahrt ins Kranzbach ist ein bisschen unwirklich und an Idylligkeit kaum zu überbieten. Das Kranzbach liegt auf einem Hochplateau bei Krün, nahe Garmisch-Partenkirchen, umgeben von Wiesen, Wald und Bergen. Keine Durchgangsstrasse, keine Nachbarn, kein Lärm. Und auch etwas gut versteckt, so dass wir nicht die Einzigen waren, die erstmal einfach dran vorbei gefahren sind. Rundherum alles knutschgrün. Vermutlich heisst der Ort deshalb Krün. Haha. Der musste sein.

Das Haus selbst sieht aus wie ein grosses englisches Anwesen, das nach Bayern gezogen ist. Tatsächlich wurde es 1913 von der Engländerin Mary Isabel Portman, einer sehr begabten Geigerin, als privater Landsitz erbaut. Das ist eine schöne Geschichte. Portman war für damalige Verhältnisse eine sehr unabhängige Frau, war mit ihrer Kutsche in der Gegend unterwegs und als sie die Kranzbach-Wiesen erblickte (und wohl vom schönen Grün auch so fasziniert war wie ich), entschied sie „hier baue ich mein hideaway“.

Und dann aber der weniger schöne Teil: Der 1. Weltkrieg kam, sie musste Deutschland verlassen und schaffte es – das weiss man aber nicht so genau – vermutlich nie zurück. Sie starb dann, nur 54-jährig, in Montreux. Ich hätte es ihr sehr gewünscht, dass sie diesen wunderschönen Ort ausgiebig hätte geniessen können.

Das Haus ist nicht nur aussen schön, es ist auch innen ganz zauberhaft. Für die heutige Einrichtung zeichnet die Londoner Interior Designerin Ilse Crawford verantwortlich.

Farben, Muster, Stoffe, kleine Ecken. Alles ist wahnsinnig geschmackvoll, einbisschen wild und gleichzeitig gemütlich. Das ist eine Kombination, die nicht immer gelingt. Manchmal ist etwas so schön eingerichtet, dass man sich kaum hinzusetzen wagt. Hier möchte man sich aber überall hinsetzen.

In diese zwei rosa Stühle im Nebenraum der Bar zum Beispiel, aus denen ich eigentlich gar nicht mehr aufstehen wollte. Das Kranzbach hat überhaupt sehr viele Möbel, die den Tagesplan gefährden.

Frühstück. Mit Porridge.

Beim Frühstück war ich bereits glücklich, als ich das Porridge entdeckte. Ich bin diesbezüglich leicht zufriedenzustellen. Das Buffet ist grosszügig, Brot und Gebäck kommen aus der eigenen Frühstücksbäckerei und es gibt sogar einen eigenen Obst-Saftraum, in dem man sich frische Gemüse und Fruchsäfte aus Entsaftern pressen kann. I love it!

Das Essen war überhaupt fabelhaft. Abends gibt es ein 6-Gang-Menü, nachmittags hausgemachte Kuchen und irgendwo dazwischen stellt das Hotel auch noch seine eigene Schokolade her. Dazu ein Personal, das so herzlich und allerliebst ist, dass man sich sehr schnell sehr wohl fühlt.

Ausserdem überall dieses Bergquellwasser. Still oder sprudelnd, zum Trinken und zum Abfüllen für unterwegs. Das Kranzbach besitzt eine eigene Bergquelle, die Kranzberg-Quelle.

Ich mag solche Dinge.

Ein Hotel, in dem gespielt wird

Besonders mochte ich, dass es trotz all der Ruhe nicht ehrfürchtig still zugeht. Es gibt Tischtennis, Töggelikasten und Dart. Dazu einen Spielraum mit zig Spielen. Und es gibt Andreas. Sie nennen ihn Spiel-Andreas. Er kommt mehrmals pro Woche ins Hotel, spielt mit den Gästen und erklärt alle Spiele.

Ich möchte das kurz stehen lassen.

Sein Beruf ist es, mit Menschen zu spielen.

Er. kommt. Her. Um. Zu. Spielen.

Wo werden solche Jobs ausgeschrieben?!

Den ganzen Tag über läuft in der Bar ausserdem sehr gut kuratierte Musik (mein Shazam kann ein Liedchen davon singen). Und falls man danach in einem der rosa Stühle versinkt und dort bleibt, hätte ich dafür vollstes Verständnis.

Mein Zimmer und diese Ecke

Die Zimmer sind grosszügig, die Betten überlang und breit und die Bettwäsche so weich, dass man sie eigentlich gleich googeln möchte. Mein Zimmer, ich war im Doppelzimmer Deluxe im Gartenfügel, hatte einen kleinen Balkon, ein grosses Badezimmer und Insektenschutz-Schiebetüren. Diese Sachen, über die man vorher nie spricht und sich hinterher sehr freut.

Und dann eben diese Sitzecke am Fenster. Mein Lieblingsplatz.

Man kann rundherum ja sehr viel. Wandern, wellnessen, Velo fahren, spazieren, alles ganz wunderbar. Aber irgendwie ist es auch okay auch mal einbisschen zu lange im Zimmer zu bleiben.

Im Wald wird meditiert

Irgendwann sind wir durch den Wald spaziert und standen ein Stück vor dem Meditation House. Es wurde vom japanischen Architekten Kengo Kuma entworfen und liegt mitten zwischen den Bäumen. Man kann dort allein meditieren oder an geführten Meditationen teilnehmen.

Wir sind allerdings nicht hineingegangen. Da stand ein Schild. «Heute Meditation.» Also schlichen wir respektvoll weiter. Im Nachhinein dachte ich: Vielleicht steht dieses Schild einfach immer dort, und eine Meditation hört man ja bekanntlich eher schlecht. Ich muss das wenn ich wieder komme klären. Denn man kann da auch einfach allein meditieren.

Dafür entdeckte ich Pilze im Wald und die grosse Yogaplattform aus Lärchenholz. Dort finden Yogaeinheiten mitten im Wald statt. Auch so etwas, bei dem ich sofort denke: Das möchte ich machen. Und wandern. Rund ums Hotel führen sehr viele Wanderwege durch die saftigen Wiesen und Wälder. Beim nächsten Mal möchte ich einfach loslaufen und schauen, wo ich lande.

Kräuter und sehr viel Wellness

Auch den Kräutergarten mochte ich. Rund 130 verschiedene Kräuter und Heilpflanzen wachsen dort. Ein Teil landet in der Küche, anderes wird für Anwendungen im Spa verwendet.

Und dann das Badehaus. Fünf Pools, acht Saunen und Dampfbäder, schöne Ruheräume und ein eigener Ladies-Bereich, was ich persönlich sehr angenehm finde. Auf dem Dach gibt es eine FKK-Terrasse.

Im ganzen Wellnessbereich gibt es zahlreiche Orte zum Liegen und Sitzen. Vor dem Fenster, am Kamin, draussen mit Blick in die Natur. Das Kranzbach versteht das gut mit den Plätzen zum einfach sitzen und sein.

Wer tiefer einsteigen möchte, kann das auch ganz ausgiebig tun. Es gibt ein ärztlich begleitetes fünftägiges Detox-Programm mit spezieller Vitalküche, Behandlungen und täglichem Bewegungs- und Entspannungsprogramm. Dazu kommen mehrtägige Retreats mit unterschiedlichen Schwerpunkten, etwa Yoga, Meditation, Yin Yoga oder Naturerlebnisse. Man kann hier also sehr ambitioniert an sich arbeiten. Oder im Bademantel herumliegen. Ich persönlich tendiere zu einer gesunden Mischung.

Und praktisch ist es auch

Ich bin mit dem Elektroauto angereist und freute mich sehr darüber, dass in der Garage zahlreiche Ladestationen für Elektroautos bereit stehen. Für mich inzwischen ein Punkt, den ich in Hotels recht wichtig finde.

Auch Velos kann man ausleihen und direkt vom Hotel losfahren. Wasserflasche mit Bergquellwasser am Brunnen in der Tiefgarage auffüllen und los.

Oder auch einfach wieder in einen Sessel sinken.

Ich möchte wiederkommen

Ich war im Kranzbach für diesen Bericht. Mit Kamera, mit Notizen und mit dem ständigen Gedanken im Hinterkopf, was ich noch fotografieren möchte. Und während ich dort in meiner Ecke am Fenster sass, dachte ich irgendwann: Ich möchte nochmals hierherkommen.

Mit meinen Töchtern. Also nochmal her kommen, ohne Kamera. Ohne Notizen. Und vielleicht gehen wir wandern. Vielleicht machen wir Yoga im Wald. Vielleicht sitzen wir in diesen rosa Stühlen und essen die hauseigene Schokolade. Es ist wirklich schön hier. Mary Isabel Portmann hatte ein sehr gutes Auge.

Es ist ein Ort zum Wiederkommen.


Gut zu wissen: Das Kranzbach

Wo liegt das Kranzbach?
Das Hotel liegt bei Krün in der Nähe von Garmisch-Partenkirchen, mitten in der Natur und umgeben von Wald und Bergen.

Ist das Kranzbach ein Adults-only-Hotel?
Fast. Kinder unter 12 Jahren werden nicht beherbergt, Jugendliche ab 12 Jahren sind willkommen.

Was bietet der Wellnessbereich?
Das Badehaus verfügt über fünf Pools, acht Saunen und Dampfbäder, verschiedene Ruheräume und einen eigenen Ladies-Bereich. Dazu gibt es Massagen und Anwendungen sowie mehrtägige Detox-, Yoga- und Meditationsprogramme.

Was kann man rund um das Hotel unternehmen?
Direkt vom Hotel aus kann man wandern oder mit dem Velo losfahren. Im Wald gibt es eine Yogaplattform und das von Kengo Kuma entworfene Meditation House.

Kann man mit dem Elektroauto anreisen?
Ja. In der Hotelgarage gibt es mehrere Ladestationen für Elektroautos und ausserdem viele Parkplätze.

Und mein persönlicher Tipp?
Plant nicht zu viel. Kommt her um einfach zu Sein. Spazieren, Schwimmen, Lesen, Spielen und sehr sehr gut Essen.

Kontakt

DAS KRANZBACH Hotel & Wellness-Refugium
In Kranzbach 1
82493 Krün/Klais bei Garmisch-Partenkirchen
Deutschland

Telefon: +49 (0) 8823 92 8000
E-Mail: info@daskranzbach.de

Das Kranzbach liegt rund 15 Kilometer von Garmisch-Partenkirchen entfernt, mitten in einem geschützten Bergtal auf 1’030 Metern Höhe. Die letzten Kilometer führen über eine private Mautstrasse durch den Wald. Am Anfang steht ein kleines Häuschen, darin sitzt jemand, der die Schranke öffnet. Für die Durchfahrt bezahlt man 5 Euro.


Kost und Logis wurden vom Hotel übernommen. Eingefädelt hat diesen Trip die Faulhaber Marketing GmbH.

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Nadja Zimmermann
Nadja Zimmermann

Nadja Zimmermann war 13 Jahre lang Produzentin, Redaktorin und Moderatorin bei Radio und Fernsehen. Sie ist dipl. psychologischer Mentalcoach, freie Autorin, Podcasterin, Partyveranstalterin, DJ und Verfasserin mehrerer erfolgreicher Kochbücher. Sie mag Musik, die man auch allein in der Küche tanzen kann, Farben wie Salbei und Creme und Geschichten, die man sich beim Essen weitererzählt.

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