Ein Date mit dir selber
Breath and the City – Ein Wohlfühl-Retreat zum Runterfahren. Dies in der Stadt (Zürich). Und nur gerade ein überschauberes Wochenende lang. Das schaffen selbst die, die keine Zeit für sowas haben. Und es tut soooo gut.
Ich muss erst kurz ausholen. Meine Freundin Elif Erisik ist ein Mensch, der, egal was sie anpackt (und sie kann irgendwie alles), die Dinge immer mit sehr viel Liebe, sehr durchdacht, innovativ und anders macht, als es Andere machen. Und ja, alle Menschen sind einzigartig, aber sie ist irgendwie noch einzigartiger. Wir lernten uns vor über 25 Jahren beim Musik-TV-Sender VIVA kennen, wo wir beide unsere ersten zaghaften Schritte in der damals noch wilden und bunten Fernsehwelt machten. Damals produzierte sie, moderierte sie und übernahm später die Programmleitung eines anderen neuen hippen, jungen Fernsehsenders, eröffnete später zusammen mit ihrer (ebenso talentierten und ebenso vielseitigen) Schwester Sibel das fast schon legendäre vegane Restaurant Elle’n’Belle am Limmatplatz in Zürich, welches damals die heimische vegane Kulinarik-Szene aufmischte und unter anderen (würkli illustren) Gästen sogar einmal von Hollywoodstar Woody Harrelson aufgesucht wurde.
Nach der Restaurantzeit lernte Elif u.a. Kundalini-Yoga, lancierte einen Podcast , schrieb einmal ein sehr schönes Lied für einen Film und bietet nun, zusammen mit Melina Maret-Roshard unter dem Namen MELIFE Breathwork-Kurse an und jetzt ganz neu auch das Stadt-Retreat Breath and the City.
Melina kenn ich noch nicht so lange, aber auch sie ist so eine Tausendsassain, die viel kann. Sie stand vor vielen Mikrofonen bei Radio und Fernsehen, managte Menschen aus der Musikszene, baute Plattformen auf, vernetzt und berät Menschen, ist immer irgendwo mit einem Projekt beschäftigt und zog irgendwann nach Ibiza, wo sie u.a. gerade eine Schule gründet.
Ja, es sind Macherinnen. Ihr seid hier in guten Händen.
Nun fand also kürzlich erstmals dieses Weekend-Stadt-Retreat statt, das den schönen Namen BREATH AND THE CITY (iykyk) trägt. In Zürich. Mitten im wilden Kreis 4. Mit mir dabei ist eine kleine Gruppe von Frauen, die alle – wie ich – zur Ruhe kommen möchten.
Und auch Elifs Schwester Sibel ist dabei. Einst Chef-Köchin bei Elle’n’Belle (und für diesen Kanal hier entwickelt sie regelmässig beste Rezepte) ist sie heute dipl. Naturheilpraktikerin. Beim Retreat zauberte sie uns leckerste Znüni- und Zvieribuffets und bot den Teilnehmerinnen energetische Ganzkörpermassagen an.
Das Programm sah so aus.
an TAG 1
Ein herzliches Willkommen bei Tee im Hotel Greulich – eine 3 1/2 (!)-stündige Breathwork Session im Serratus Studio – ein herzhaftes Zvieri – einen Zeitslot für Massage oder Sauna oder einfach Chli-Für-Sich-Sii – ein köstliches Dinner im Thai-Restaurant des Hotel Greulich – ein rührendes Kakao- und Feuerschalenritual um Dinge loszulassen, die uns nicht mehr dienlich sind – finales Einkuscheln im Hotel Greulich in gemütlichsten Betten.
an TAG 2
Ausschlafen und ein entspannter Brunch im Hotel Greulich – fröhliches Aufwachritual in Form eines Bodyshakers im Birkenhain des Hotels – Aromatherapie Workshop von Farfalla – Snackbuffet um nochmal Energie zu tanken – extrem entspannende Aerial Sound Meditation in hängenden Tüchern im Sanapurna Studio.
Das alles bewirkt, dass sich das Wochenende einerseits sehr sehr lange anfühlt, dass ihr wunderschöne Begegnungen mit anderen Frauen habt, viel lacht, Leichtigkeit verspürt, euer Leben überdenkt und euch tiefenentspannt, ihr richtig runterfahren, in euch gehen könnt, mit EUCH sein könnt. Wenn ihr für solche Retreat-Momente nicht ein paar Tage in die Berge, ins Piemont oder nach Bali fahren mögt, dann ist das Stadt-Retreat ideal um auch inmitten eines urbanen vibes zur Ruhe zu kommen und danach glücklich, leicht und gestärkt und mit Anlauf wieder in euer Leben eintauchen könnt.
Das Hotel
Homebase des Retreats ist das Greulich Design und Boutique Hotel mitten im Zürcher Kreis 4, mit Zimmern im puristischen Loft-Stil. Diese liegen im ruhigen Innenhof und sind mit Yogamatten ausgestattet. Das Restaurant ist bekannt für seine gute Thai-Küche.
Breathwork-Session
Das Duo Elif und Melina ist an Herzigkeit kaum zu überbieten. Man fühlt sich sofort aufgehoben. Nicht, weil ich Elif gut kenne, sondern weil die beiden eine Atmosphäre schaffen, die sich anfühlt wie eine warme Umarmung. Ich setze mich auf meine Matte, lausche Elifs warmer Stimme und lasse mich durch diese Breathwork-Session führen. Die positive Energie der rund zwanzig Frauen im Raum ist sofort da. Still, dicht, tragend. Ein Gefühl von Zusammengehörigkeit entsteht ganz von selbst, obwohl wir nichts voneinander wissen. Zwischendurch halten wir inne. Kurze Journaling-Momente. Wo stehe ich gerade? Was fordert mich im Moment heraus? Und was will mir das zeigen? Ich höre Stifte über das Papier gleiten, leises Rascheln. Dann wieder Elifs Stimme, sanft, klar, ruhig kompetent, die uns zurück in den Atem führt.
Der intensive Three-Part-Breath bildet den Höhepunkt. Wir liegen zugedeckt da. Die Musik ist perfekt gewählt: kein Meditations-Gedudel, sondern schöne, tragende Klänge, die den Atem halten. Richtige Musik. Von Moby über Aphex Twin bis zu Hermanos Gutiérrez . Kurz bevor es losgeht fühlt es sich an, als würden wir noch die Gurten schliessen, als sässen wir auf einer Achterbahn. Ready to go. Dann ein wilder Ritt. Schneller Atem. Schwerelos. Der Körper löst sich auf, Leichtigkeit breitet sich aus. Ein tiefes Gefühl von Geborgenheit. Und dann dieses Aufwachen am Ende. Als wäre Frühling. Als würde das Leben gerade erst beginnen. Voller Energie. Und mit einem stillen, warmen Wohlgefühl, das bleibt.
Elif und Melina bieten regelmässig auch 90-Minuten Breathwork-Sessions an.
Kakao-und Feuerschalenzeremonie
Am Nachmittag bot sich die Möglichkeit bei Sibel eine Massage zu buchen oder in die Sauna zu gehen, manche gingen spazieren oder zogen sich ins Hotelzimmer zurück. Am frühen Abend trafen wir uns zum gemeinsamen Znacht im Restaurant 555+, dem stadtbekannten Thai-Restaurant im Hotel Greulich. Es herrschte eine schöne, entspannte Atmosphäre.
Danach tranken wir Kakao. Warm, erdig, weich. Das ist nicht einfach ein flüssiges Dessert, sondern ein Ritual. Wir trafen uns im hoteleigenen Birkenhain zur Kakaozeremonie. Kakao wirkt herzöffnend, sagt man, er erdet und macht gleichzeitig durchlässig. Nicht auf eine überwältigende Art und Weise, sondern eher so als würde man ein Fenster einen Spalt öffnen und frische Luft hereinlassen. Man bleibt bei sich und ist trotzdem verbunden. Mit sich und mit den Anderen.
Später versammelten wir uns um die Feuerschale. Wir schrieben auf einen Zettel, was wir loslassen möchten. Gedanken, Muster, alte Geschichten. Dinge, die schwer geworden sind. Im Feuer landeten Selbstzweifel, innere Kritiker, Ängste und Unsicherheiten. Nicht dramatisch, nicht pathetisch, einfach so. Das Feuer nahm es auf, verwandelte es, machte daraus Wärme, Licht, Asche. Und wir standen da, wieder mit dieser schönen Verbundenheit. Ein stiller, schöner Moment. Man geht nicht „neu“ daraus hervor, aber irgendwie leichter. Und aufgeräumter. Ein kleines bisschen näher bei sich selbst. Es geht um Achtsamkeit, sich Gedanken zu machen was man möchte und was man nicht mehr möchte. Und Dinge bewusst loszulassen.

Der Morgen danach
Ausschlafen, frühstücken. Danach besammelten wir uns draussen, wieder im Birkenhain, dem stillen Innenhof des Hotels. Ein Embodiment Shaker zum Aufwachen mit Missy Elliott, Madonna, Florence and the Machine und den Retreat-Hosts Elif und Melina, deren Fröhlichkeit ansteckend ist. Tanzen, schütteln, lachen. Und die Coffee Breath-Übung brachte Sauerstoff und machte uns alle wach. Der Kreislauf kam in Gang, Kraft sammelte sich.
Danach machen wir einen kurzen Ausflug in die Aromatherapie. Karin Ammann stellte Farfalla vor, ein Schweizer Familienbetrieb in zweiter Generation, alles mit viel Sorgfalt in der Schweiz hergestellt. Wir rochen an verschiedenen Essenzen. Ganz bewusst. Ich mag Waldzauber besonders. Erdend, ruhig, wie ein tiefer Atemzug im Schatten hoher Bäume. Ein Satz blieb dabei hängen: Man kann nicht gleichzeitig bewusst riechen und denken. Ich wusste das nicht. Und es stimmt. Der Duft holt einen ins Jetzt. Wir bastelten eigene Riechstifte, tröpfelten Lieblingsaromen drauf und spazierten dann nach einem kleinen Snack zum Sanapurna Studio.
Währenddessen dachte ich mir meine Farfalla-Essenzbestellung zusammen. Ich habe mich ein wenig in den Duft meines selbstgetröpftelten Einweg-Riechstifts verliebt. Diese gibts auch in edlem Metall. Und die betröpftelten Vliese lassen sich auswechseln, damit sie neu betröpfelt werden können. Ich glaube ich möchte sowas.
Aerial Sound Meditation
Ich wusste nicht recht, was uns hier erwartet, aber es klingt schon mal schön. Aerial Sound Meditation. Im Raum dann all diese hängenden Tücher. Daran dehnten wir uns erst und legten uns dann hinein. Wie in einen Kokon.
Wie schön das war! Schwebend, geborgen, ein wenig ausserhalb der Zeit. Ich liege eingemümmelt in meinem Tuch und höre es rascheln, ferne Geräusche, Gongschläge, dazu Meditationstexte, ruhig gesprochen. Karin Meulman führt uns durch diese Meditation. Der Körper wird still. Manche schliefen ein. Ich war wach, gondelte gefühlt durch den Raum, floatete irgendwann so zwischen Wachsein und Schlaf, schwerelos und gleichzeitig doch ganz da. Auch wenn sich die Gedanken (bei mir) weiterhin drehen, stellte sich dennoch eine sehr schöne Ruhe ein. Alles wurde einbisschen egal.
Dann krabbelten wir wieder aus unseren hängenden Tüchern, vorsichtig, fast ein wenig unbeholfen, wie junge Schmetterlinge, die noch nicht recht wissen, was man mit den Flügeln soll. Und für einen Moment fühlt es sich an, als hätte sich etwas neu sortiert. Still. Und gut.
Am Schluss sassen wir zum Abschied im Kreis, Elif fand wie immer die richtigen Worte, Leichtigkeit im Raum, wieder diese Geborgenheit. Eine Teilnehmerin traf es auf den Punkt. Jetzt müssen wir wieder raus in die kalte, graue Welt. Ja, ist halt so. Das Wochenende ist vorbei. Aber ich gehe mit einem anderen Gefühl, als ich her kam. Ruhiger, mehr bei mir, stärker. Und ich freue mich. Und bin voller Liebe. Aber das bin ich oft, von selbst. Ich war auch davor mit mir so ziemlich im Reinen. Nach diesem Retreat aber gleich noch etwas mehr.
Breath and the City. Ein Weekend-Stadt-Retreat. Es ist das schönste Geschenk für sich selber.
Die nächste Ausgabe ist am 14./15. März 2026. Alle Infos dazu findest du unter diesem Link.
(gefreut habe ich mich auch über den reich gefüllten goodiebag)



































