Yoga für Kinder

Ich stelle mir das friedlich vor, wie Kinder im Schneidersitz im Kreis sitzen, die Augen selig geschlossen, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. Ruhig, entspannt, mit sich und der Umwelt im Reinen.

 

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Foto: athayoga

 

Und dann stelle ich mir vor, wie sie das Zuhause tun würden. Und zwar immer dann, wenn sie 34 Mal das gleiche Lied singend mit dem Bobbycar um den Esstisch fahren, das Sofa als Hüpfwiese missbrauchen oder gerade die Fenster mit Wasserfarben bemalen wollen.

Kinder und Yoga. Funktioniert das überhaupt? Wenn ich mir das Kinderyoga-Angebot so anschaue, muss es das wohl. Ohne Nachfrage kein Angebot. Warum machen Kinder freiwillig Yoga? Und was bringt das?

Carolina Fischer betreibt Yogastudios in Zürich und Zollikon und hat, neben Erwachsenen, schon viele Kinder und Jugendliche durch unzählige Yogastunden begleitet. Für mich also die ideale Ansprechperson für meine Fragen (weil ich gerade mit dem Gedanken spiele, meiner Tochter von Yoga zu erzählen..).

 

 

Frau Fischer, wie sieht so eine Yogastunde für Kinder aus?

Bei einer Kinderyogastunde steht „Spiel und Spass“ im Vordergrund.

Der Ablauf selbst hat zwar einige Elemente, die sich in jeder Klasse wiederholen – z.B. das Begrüssungsritual und die Entspannungsphase am Ende – der Verlauf der Stunde selbst ergibt sich aber meist aus der Gruppendynamik heraus. Man erkennt rasch nach dem Start, in welcher Verfassung die Kids sind – wirken sie erschöpft und ausgelaugt, gar gestresst, werden mehrheitlich ruhigere Elemente und ausgedehnte Entspannungsübungen und/oder Kurzmassagen eingebaut. Sind die Kleinen voller Energie und Tatendrang werden mehr aktive, körperliche Übungen integriert.

 

Können die Kinder dabei wirklich entspannen und auch still sitzen?

Selbstverständlich ist das sich entspannen und vor allem das still sitzen für Kinder eine ganz andere Herausforderung, als für Erwachsene. Dennoch lernen die Kinder schnell, dass auch diese Übungen, die meist am Ende einer jeden Stunde stattfinden, ebenso zum Yoga dazu gehören, wie Spiele und Bewegung.

Natürlich werden diese sehr ruhigen Phasen kürzer gehalten, als bei Erwachsenen, und erst mit der Zeit der zunehmenden Yogaerfahrung der Kids Stück für Stück ausgedehnt.

 

Wie lässt sich ein Kind – dass (wie meine Kinder) naturgemäss vielleicht eher wild herumrennen oder auf Bäume klettern würde – für das doch eher ruhige Yoga begeistern?

Im Grunde ganz einfach. Denn im Kinderyoga wird sehr viel mit der Fantasie gespielt. Meist hat jede Stunde ein zentrales Thema. Hierzu wird eine Geschichte erzählt, die nicht selten eine Vielzahl von Tieren und Naturelementen beinhaltet. So lernen die Kinder dann auch die einzelnen Asanas (Yogastellungen) vom Hund, über die Kobra, und die Kuh bis zum Baum kennen. Bewegung und leichtes Herumtollen kommt auch im Yoga nicht zu kurz. Nicht wie etwa in einer Turnhalle, aber es ist nicht so, dass die Kinder die ganze Stunde im Schneidersitz auf ihrer Yogamatte sitzen müssen und sich nicht bewegen dürfen. Wenn die Stunde selbst abwechslungsreich gestaltet wird, so verlieren die Kinder daran auch nicht die Freude.

 

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Foto: athayoga

 

Warum denken Sie, tut Yoga Kindern gut?

Heutzutage gehört Stress leider bereits zum Kinderalltag. Wir versuchen den Kleinen mit unserem Yoganagebot daher einen Rückzugsort zu schaffen, in dem es keinen Leistungsdruck gibt und wo sie einfach nur Kind sein können.

Was wir sehr oft, auch gemeinsam mit den Eltern, beobachten ist, dass die Kinder, die regelmässig ins Yoga kommen, besser schlafen, ein gesteigertes Selbstwertgefühl haben, mit Konflikten und Stress leichter umgehen und auch ein viel herzlicheres Miteinander pflegen.

Wenn Kinder bereits mit Yoga vertraut sind, so fällt es ihnen später, im Erwachsenenalter viel leichter, abzuschalten, sich nach einem gestressten Arbeitstag wieder zu sammeln und sie gehen viel positiver durchs Leben.

 

Gibt es viele Kinder, die Yoga machen?

Ja, und es werden immer mehr. Wir bieten daher mittlerweile in beiden athayoga Studios, in Zürich und Zollikon, jeweils mittwochs Kids- und Teenie-Yogaklassen an.

Wir haben festgestellt, dass sich immer mehr Eltern auch mit Yoga beschäftigen, der Thematik gegenüber offener und von der Wirkung auf Kinder überzeugt sind.

 

Gibt es Altersbeschränkungen für Kinder?

Für Yoga gibt es grundsätzlich keine Altersbeschränkung, entsprechend vielfältig ist das Angebot in diesem Bereich. Viele Frauen, vor allem, wenn sie selbst regelmässig ins Yoga gehen, tun dies auch während der Schwangerschaft und zur Rückbildung. Daneben gibt es auch immer mehr „Mutter-Baby“ & „Mutter-Kind“ Kurse.

Wir bei athayoga bieten unser Kinder Yoga für Kinder ab dem Kiga bis zur 4. Klasse an und das Teenie Yoga richtet sich an Schüler ab der 5. Klasse. Sie können dann im fortgeschrittenen Alter entsprechend in die Erwachsenenklassen wechseln (I.d.R. ab der 10. Klasse).

 

 

Frau Carolina Fischer ist Yogalehrerin, sowie Inhaberin und Geschäftsführerin von athayoga (www.athayoga.ch). Bereits ihre Mutter war Yogalehrerin und so begleitet sie Yoga schon seit vielen Jahren. Sie bietet Kinder- wie auch Erwachsenenkurse in Zürich und Zollikon an und ist Mitglied des Schweizer Yogaverbandes und der European Yoga Alliance.

 

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Foto: Michelle Haymoz