Ferien auf Djerba

Eine Reise voller Kontraste, Sonne, Wind und Streetart auf einer Insel mit touristischer Kulisse, reicher orientalischer Geschichte und entschleunigter Leere.

Nach Zakynthos und Mauritius stand diesmal eine neue Insel auf unserer Reisekarte: Djerba. Die tunesische Mittelmeerinsel liegt nur wenige Kilometer vor dem Festland Nordafrikas und verspricht eine Mischung aus 1001 Nacht, viel Sonne und sehr wenig Hektik.

Es war eine Reise mit vielen Eindrücken und Momenten zwischen Staunen und Stirnrunzeln – aber auch mit echtem Zauber.

Geflogen sind wir erneut mit Edelweiss und organisiert wurde die Reise, wie schon diejenigen nach Zakynthos und Mauritius, über den Reiseanbieter TUI, der einem auf Djerba tatsächlich recht angenehm den Rücken freihält. Wir wurden am Flughafen von einem Fahrer abgeholt und ins Hotel gebracht. Man muss also erstmal nichts denken. Gerade auf einer Insel, auf der man sich erst noch zurechtfinden muss, war ich dafür sehr dankbar.

In der myTUI-App stehen zudem alle Informationen zur gebuchten Reise, alle Flugdaten, Hotelvoucher und was man wissen muss. Was bietet das Hotel alles? Was ist in der Nähe? Was könnte man angucken? Was für Ausflüge gibt es? – Die kann man mit einem Klick auch direkt buchen.

Das Hotel


Wir wohnten auf Djerba eine Woche lang im Radisson Blu Palace Resort & Thalasso. Ein typisches All-Inclusive-Resort mit direktem Strandzugang, einer riesigen Poolanlage, Sicherheitskräften (die, so dünkt es mich, mehr Deko sind) und insgesamt drei Restaurants.

Das Hotel wirkt auf den ersten Blick pompös, dafür sorgt die Eingangshalle, hoch und hell und schick. Stilvoll, aber kein Luxustempel. Eher ein bezahlbares Fünf-Sterne-Erlebnis für Menschen, die keine allzu hohen Ansprüche stellen und nicht gleich hässig werden, wenn der Service nicht dem Standard entspricht, den man gerne hätte. So gibts auch noch etwas Luft nach oben in Sachen Freundlichkeit der Mitarbeiter*innen. Was den Meisten an Herzlichkeit aber fest fehlt, ist bei Einzelnen im Team dafür in grossen Mengen vorhanden.

Die Zimmer sind geschmackvoll, sauber und grosszügig. Das Badezimmer schlicht und schön. Wir hatten das Premium Zimmer mit seitlichem Meerblick und Balkon. Für eine Woche zahlt man im Sommer pro solchem Zimmer (mit Frühstück) plusminus CHF 2’000. Das Preis-/Leistungsverhältnis dünkt mich fair.

Das Hotel ist so gelegen, dass man entweder ein Mietauto oder ein Taxi braucht, um das Leben auf der Insel zu entdecken. Wer im Hotel bleibt und sich langweilt, kann sich aber auch im Spa-Bereich vertun (oder auch einfach extra für ein Wellness-Treatment her kommen).

Thalasso setzt auf die Kräfte des Meerwassers, der Meeresluft, Sonne und Algen. Ursprünglich behandelte man damit Hautkrankheiten, Rheuma oder Atemwegserkrankungen. Heute wird Thalasso in Wellnessbehandlungen eingewoben. Das sind hier z.B. Algenpackungen.

Wir haben in den Wellnessbereich nur kurz mal reingeschnuppert und uns eine kleine Massage gegönnt, um das Spa von innen zu sehen.

Ein kleines Gym gibts auch. Und einen Innenpool.

Als weitere Hotelaktivität gibts eine Art Disco (die allerdings immer leer war, wer sich wilde Parties erhofft, muss die woanders suchen), einen Billiardtisch (ein Spiel kostet 1 Dinar, also etwa 30 Rappen), einen Coiffeur, zwei Mode- und Souvenierläden und einen Shop mit dem Nötigsten (und mit stolzen Preisen, z.B. no name-Sonnencreme für 18 Franken, alle diese Dinge gäbe es sonst auch im kleinen Supermarkt vis-à-vis zu djerbaüblichen Preisen).

Die Öffnungszeiten des Hotelshops kennt im Hotel allerdings niemand. Mal hat er auf, mal nicht.

Um das Angebot abzurunden, gibts im Hotel noch ein paar Bars und drei Restaurants.

Die Hotel-Restaurants

Wir hatten das Zimmer mit Frühstück gebucht. Wer Süssgebäck mag, wird sich freuen, die Auswahl ist sehr gross. Wer mehr im Team Früchte und Joghurt spielt, wird etwas hilflos herumirren und im erbräunten Fruchtsalat die noch etwas frischer aussehenden Früchte versuchen herauszufischen. Beim Kaffee wird man auch nicht glücklich. Dafür gabs eine hübsche Teeauswahl. Toll waren auch die frischen Spiegeleier, die Gemüseomelette, die Crêpes und die Fruchtsäfte.

Dann nahmen wir uns einzeln alle Restaurants vor. Das italienische Restaurant ZAFFERANO ist herzig, draussen herrscht eine schöne Atmosphäre, aber als der Kelch der italienischen Kochkunst den Köchen weitergereicht werden sollte, griffen sie ins Leere.

ABER: das FLAMINGO mit tunesischen Spezialitäten, das war toll. Authentisch, günstig und lecker. Es duftet nach Harissa, Kreuzkümmel und frisch gebackenem Fladenbrot. Serviert werden Mezze, würzige Eintöpfe und typisch tunesische Spezialitäten. Das Ambiente: ein Hauch von Orient mit modernem Twist, ein Restaurant, das den Geschmack Djerbas auf den Teller zaubert. Wir mochten es sehr.


Unser Liebling aber, war das TURQOUISE am Pool. Am Abend.

Mittags gibts Sachen wie Pasta (sosolala), Burger oder Gazpacho und eine luftige Focaccia. Abends aber streift sich das Restaurant ein Sushi Gewand über mit einer tollen Auswahl an allen gängigen Sushis. Sehr toll (und neu für mich) waren die Crunchy Poulet-Sushi (die gelben im Hintergrund).

Nach ein paar Tagen in den Restaurants wurde uns langweilig und wir stürzten uns ins All Inclusive-Abenteuer. Wir lösten ein Upgrade und durften ab sofort auch ans Mittags- und Abendbuffet. Und in zwei Bars flossen Getränke ebenso inklusiv.

Wir bereuten diesen Schritt dann relativ schnell. Zwar freute ich mich, dass ich mich am Buffet auch endlich mal vegetarisch verpflegen konnte (das ist in den Restaurants schwierig), aber die grosse Buffethalle, die Akustik, die Qualität des Angebots.. ich bin vielleicht einfach zu wenig Buffetmensch (und habe noch das Buffet aus Mauritius im Herzen, da war ich jedes Mal fast den Tränen nahe vor lauter Freude. Hier war es nicht so.) Manches war ganz ok und man isst sich satt, ja. Aber irgendwie freudlos und alles bisschen in Brauntönen gehalten.

Zudem fiel mir auf, dass das Mineralwasser am Pool mit dem All Inclusive-Bändeli durch weniger fancy aussehendes Mineralwasser ersetzt wurde (was ja egal ist, Wasser ist Wasser), das Coladösli wich dem Offenausschank (aus nachhaltiger Sicht auch völlig ok) und auf der Barkarte verschwanden die Weinnamen, es gab nur noch Rosé, Weisswein oder Rotwein (und ich hoffte der ist nicht aus dem Tetrapak, es gluschtete mich allerdings nicht und so blieb ich beim Wasser).

Dafür ist es abends ganz nett, wenn man draussen sitzt.

Unterwegs auf der Insel


Wir unternahmen einen Ausflug mit dem Taxifahrer Nourdin, den das Hotel für uns organisierte. Nourdin sprach Deutsch, war unglaublich bemüht – und wusste zu allem eine Geschichte. Er betonte immer wieder, wie sicher es auf Djerba sei.

Töpferkunst in Guellala


Unsere Tour führte uns erst nach Guellala, wo wir dem uralten Handwerk der Töpferei begegneten. Wir beobachteten, wie große Tongefäße geformt wurden – ein entschleunigender, fast meditativer Moment. Nebenan lagen zwei junge Kamele im Schatten, kauten Futter und bekamen gerade Wasser – eine Szene wie aus einem Kinderbuch. Die Gefässe, die hier hergestellt werden, sind zauberhaft. Ich wünschte ich hätte mehr Tunesische Dinar dabei. In meinem Koffer hätte es viel Platz gehabt.

Djerbahood


Weiter ging es nach Djerbahood, ein Stadtteil in Erriadh voller Streetart, wo internationale Künstler Häuser, Mauern und Wände in leuchtende Kunstwerke verwandelt haben. Ich hätte ewig bleiben können. Wie schön diese Gassen sind!! Wie schön die Kunst ist!!

Djerbahood ist ein weltweit einzigartiges Streetart-Dorf. 2014 verwandelten über 150 Künstler aus 30 Ländern die alten Mauern des Dorfes in diese wunderbare Open-Air-Galerie. Bunte Murals, arabische Kalligrafie, politische Botschaften und poetische Bilder verschmelzen hier auf unglaublich coole Weise mit der traditionellen Architektur.
Djerbahood ist kein Museum – es lebt, altert, verändert sich mit Sonne, Wind und Alltag. WUNDERSCHÖN!

(es lohnt sich morgens zu gehen, ab Mittag seien die Gassen recht voll und im Sommer ist es dann auch zu heiss)

Houmt Souk


Die Inselhauptstadt erlebten wir als wuselig und wild. Hier spürt man das echte Leben – zwischen Gewürzständen, Minaretten und französischem Erbe. Es ist das lebendige Herz Djerbas – ein Ort voller Gassen, Gerüche und Geschichten. Der Markt, der der Stadt ihren Namen gab, lockt mit Gewürzen, Keramik und buntem Handwerk (auch hier, viel Töpferkunst). Zwischen den weißgetünchten Häusern pulsiert das Leben auf der eher ruhigen Insel, und am Hafen verkaufen Fischer ihren Fang während Tourist*innen mit dem Piratenschiff zur Flamingoinsel fahren (Flamingos sind im Winterhalbjahr dort).




Quadfahren


Ein Highlight der wirklich sehr besonderen und unvergesslichen Art war das Quadfahren – bei Sonnenuntergang durch Dünen und Dörfer, vorbei an Palmenhainen und über staubige Wege, bis die Sonne am Horizont versank. Und dann im Halbdunkel, in der blauen Stunde, wieder zurück. Diese Bilder im Kopf. Ich werde sie nie vergessen. Ein bisschen Abenteuer, ein bisschen Freiheit, und ganz viel Wind (und Sand) im Gesicht. Djerba ist nicht nur Strand und Buffet. Dieser Ausflug war staubig, laut – und herrlich. Ich kanns sehr empfehlen.

FAZIT

Das Meerwasser rund um Djerba ist klar und warm. Im Sommer kann es sehr heiss werden, aber mit dem gelegentlichen Wind ist es in Strandnähe aushaltbar und die Nächte sind dafür absolut wunderbar. Mücken hat es praktisch keine, das macht die Abende draussen entspannter.

Djerba ist das ganze Jahr über ein interessantes Reiseziel und in nur rund 2 1/2 Stunden von Zürich aus erreichbar. Im Winter mild und im Herbst und Frühling warm und angenehm. Arabische, jüdische und berberische Einflüsse mischen sich mit römischem Erbe und osmanischem Flair. Es ist sowas wie ein orientalisches Mosaik, das bis heute in den Gassen, Gewürzen und Gebeten weiterlebt. Umtriebiges Souk-Gewusel, Quadfahren, Streetart, Star Wars-Höhlen oder eine Krokodilfarm, es gibt vieles zu sehen und zu entdecken. Die Insel ist karg, staubig und nicht geschniegelt, dafür authentisch. Djerba ist nicht perfekt. Aber genau deswegen erinnernswert.

Auf @loumalou_mag (Instagam) findet ihr in den Highlights die ganzen Stories, die ich während der Reise gemacht habe.

Ein paar Tipps zu Djerba, findet ihr weiter unten.

Gut zu wissen

  • WÄHRUNG. Euro werden fast überall akzeptiert, nehmt unbedingt ein paar Scheine mit. Manches lässt sich direkt in Euro bezahlen und sonst kann man sie an der Reception in Tunesische Dinar (TND) wechseln. Geld an der Reception abheben geht nicht und der hoteleigene Bancomat funktioniert nur selten (so wie auch die umliegenden).
  • WASSER. (falls ihr kein All Inclusive hat): Am besten direkt vor Ort im kleinen Supermarkt gegenüber des Hotels kaufen. Im Hotelshop gibts kein Wasser. Allerdings „darf“ man das Wasser eigentlich aus Sicherheitsgründen nicht ins Hotel nehmen. Warum genau, erschloss sich mir nicht und so ging es dann eben doch. Wir kauften ein 12-Liter-Pack. Das reichte als Hotelzimmervorrat für 4 Personen für eine Woche.
  • FLOATING-SACHEN. Der Pool ist riesig und eure Floatingsachen stören niemanden. Nehmt Luftmatratzen, Schwimmnudeln (hats ein paar) oder ähnliches mit. Dann könnt ihr ungestört floaten. Und floaten ist schön.
  • KLEIDUNG. Es herrscht ein Dresscode (den viele Tourist*innen nicht so sehr interessiert). So stellt man sich zB nicht im Bikini an die Poolbar (man kann ja schnell was überwerfen). Grundsätzlich ist es gut, wenn man ein Augenmerk darauf legt und sich einfach einigermassen anständig kleidet. Djerba ist nicht Ibiza.
  • FRANZÖSISCH. Ein kurzer vorheriger Crashkurs schadet nicht. Viele sprechen zwar etwas Deutsch oder Englisch, aber mit einem „Bonjour“ seid ihr auf der sichereren Seite.
  • DIE POOLLIEGEN. Früh aufstehen oder sich vom Gedanken an einen „guten Platz“ verabschieden. Der Run auf die Polliegen ist real. Schon um 8 Uhr sind die Badetücher auf praktisch allen Liegen ausgebreitet und mit Schwimmbrillen und Büchern „besetzt“. Man möchte es nicht, aber man muss das Spiel fast mitmachen.
  • HAARTROCKNER. Gibts im Zimmer keinen, kann man aber an der Reception holen.
  • TAXIS. Stehen vor dem Hotel oder lassen sich übers Hotel organisieren. Auch praktisch für z.B. 4 Stunden, um Teile der Insel zu erkunden. Nach Nourdin fragen. Er ist nett, kann auch deutsch und spickt die ganze Fahrt mit vielen Informationen.
  • FLUGANGST. Wenn du – wie ich einst – Angst vorm Fliegen hast und dich Flugangst von einer Reise abhält oder macht, dass du vor jedem Flug noch schnell rundherum leicht panisch Abschiedsbriefe schreibst und allen deine Liebe kundtust und sie unter Tränen knuddelst, wird dir ein Flugangst-Seminar (goodbyeflugangst.ch) dabei helfen, dass du ganz entspannt in den Flieger steigst.

Die Reise wurde von TUI organisiert und bezahlt. Wenn du mehr über die schönsten Reisedestinationen erfahren möchtest, hör mal in den Podcast „Tschüss & Ciao“ rein (überall wo es Podcasts gibt). In diesem spreche ich mit verschiedensten Schweizer Persönlichkeiten über ihre Lieblingsorte. Beni Huggel, Christa Rigozzi, Claudio Zuccolini, Melanie Winiger, Bligg, Ronja Furrer und viele andere reden über Mexico, Miami, Madeira, Lappland, Kroatien oder die Türkei und Griechenland und verraten ihre Lieblingsspots.

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